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Hoftankbörse

Ratgeber Diesel-Einkauf

Was der Liter Diesel im Großeinkauf kosten darf

Wer für die eigene Betriebstankstelle bestellt, ob 3.000 oder 30.000 Liter, bekommt einen Tagespreis genannt. Hier sehen Sie, aus welchen Teilen dieser Preis besteht und über welchen Teil überhaupt verhandelt wird, denn ein großer Teil ist bei allen Anbietern gleich. Außerdem erfahren Sie, welche Angaben zwei Angebote erst vergleichbar machen.

Das ist eine allgemeine Einordnung für Betriebe in Österreich und keine Rechts- oder Steuerberatung. Die Sätze der Mineralölsteuer und der CO₂-Bepreisung nennen wir bewusst nicht, weil sie sich ändern.

Der Literpreis in seinen Bestandteilen

Der Preis frei Tankstelle setzt sich aus dem Produktpreis im Großhandel, den Steuern und Abgaben und dem Anteil des Händlers für Logistik und Marge zusammen. Die Großhandelsnotierung ändert sich zwar täglich, aber für alle Anbieter gleich, und Steuern und Abgaben sind ohnehin für alle dieselben. Unterschiede zwischen zwei Angeboten entstehen deshalb im Anteil des Händlers.

BestandteilWas dahintersteckt
Produktpreis Großhandeltäglich neu, notiert in US-Dollar je Tonne
Mineralölsteuergesetzlich festgelegt und bei allen Anbietern gleich
CO₂-Bepreisungebenfalls für alle gleich, schon im Einstandspreis des Händlers enthalten
Logistik und Händlermargebei jedem Anbieter verschieden, das ist der Teil, über den verhandelt wird
Umsatzsteuer20 % auf die Summe, bei Vorsteuerabzug ein durchlaufender Posten

Der Produktpreis folgt nicht dem Rohölpreis

Maßgeblich ist die Notierung für Diesel im Großhandel und nicht die Rohölnotierung. Sie wird in US-Dollar je Tonne angegeben, und um daraus einen Literpreis in Euro zu machen, braucht man die Dichte und den Euro-Dollar-Kurs. Beide Größen verändern den Einstandspreis, auch wenn sich am Rohölmarkt nichts tut. Deshalb gibt es Tage, an denen die Nachrichten von fallenden Ölpreisen berichten und Ihr Angebot trotzdem höher ausfällt.

Vergleichen Sie Angebote außerdem immer netto, denn bei Vorsteuerabzug ist die Umsatzsteuer ein durchlaufender Posten und verzerrt nur den Vergleich.

Warum zwei Angebote am selben Tag auseinanderliegen

Weil Notierung und Steuern für alle gleich sind, entsteht der Unterschied im Anteil des Händlers. Dafür gibt es vor allem vier Gründe.

  • Je näher das Tanklager liegt, an dem der Händler lädt, desto kürzer ist die Fahrt zu Ihnen. In den Tälern und im Hügelland zählt dabei nicht die Luftlinie, sondern der Weg über die Straße.
  • Auch der Bezugsweg spielt eine Rolle, denn wer direkt am großen Lager lädt, hat einen anderen Einstandspreis als ein Händler, der bei einem Vorlieferanten kauft.
  • Passt Ihre Menge in eine Tour, die ohnehin in Ihre Richtung fährt, ist der Frachtanteil je Liter klein, bei halb leeren Kammern dagegen nicht.
  • Außerdem zählt die Menge je Anlieferung, weil die Fahrt fast dasselbe kostet, ob 3.000 oder 30.000 Liter auf dem Wagen sind.

Auf Tanklager und Bezugsweg des Händlers haben Sie keinen Einfluss, auf die Menge je Anlieferung und die Angaben in Ihrer Anfrage aber schon.

Was ein Angebot vergleichbar macht

Ein einzelnes Angebot lässt sich schwer beurteilen, einordnen können Sie es erst mit einem zweiten. Vergleichbar sind zwei Angebote aber nur, wenn sie in den folgenden sechs Angaben übereinstimmen.

  1. Beide Angebote stammen vom selben Tag, denn ein Angebot von letzter Woche sagt über den heutigen Preis nichts mehr aus.
  2. Sie gelten für dieselbe Menge je Anlieferung und nicht für die Jahresmenge.
  3. Geliefert wird an denselben Ort mit derselben Zahl an Abladestellen.
  4. Sorte und Norm sind gleich, also EN 590, EN 15940 (HVO100) oder Diesel ohne Beimischung.
  5. Das Zahlungsziel ist dasselbe, denn 20 Tage netto zu einem höheren Literpreis können unterm Strich günstiger sein als Vorkasse zum niedrigsten.
  6. Beide beziehen sich auf dieselbe Temperatur. Was es damit auf sich hat, steht im nächsten Abschnitt.

Fragen Sie außerdem, wie lange der Preis gilt, denn oft gilt er nur am selben Werktag.

Bezieht sich der Preis auf 15 °C oder auf Naturliter?

Diesel dehnt sich aus, wenn er wärmer wird, und zwar um rund 0,8 Promille je Grad. Bei 30.000 Litern macht der Unterschied zwischen 5 °C und 25 °C Warentemperatur deshalb etwa 480 Liter aus. Der Mineralölhandel rechnet in der Regel auf 15 °C um, und die Messanlagen moderner Tankwagen tun das ohnehin.

Warum die Bezugstemperatur trotzdem in die Anfrage gehört

Die Umrechnung ist zwar üblich, ausdrücklich vereinbart ist sie aber erst, wenn sie in der Anfrage steht. Dafür reicht ein Satz wie „Abrechnung auf 15 °C“, und damit vergleichen Sie gleiche Mengen.

Was Sie als Abnehmer selbst beeinflussen

Am Produktpreis und an den Steuern kann kein Einkäufer etwas ändern. Einfluss haben Sie auf die folgenden fünf Punkte.

  • Wer zwei halbe Bestellungen zu einer größeren Menge je Anlieferung zusammenlegt, spart damit oft mehr, als er am Telefon heraushandeln könnte.
  • Mit drei bis vier Tagen Vorlauf und einem Anlieferfenster statt eines festen Termins können mehrere Händler ihre Tour planen. Wer erst anruft, wenn der Tank fast leer ist, kann nicht mehr vergleichen.
  • Nennen Sie Ihr Zahlungsziel von Anfang an, damit jeder Händler es in seinen Preis einrechnet.
  • Klären Sie vorher die Zufahrt, also welcher Lkw auf Ihren Hof passt und wie weit der Schlauch zum Domschacht reicht. Gerade bei Höfen am Hang und bei engen Ortsdurchfahrten entscheidet das über das Fahrzeug, das kommen kann.
  • Liegen zwei eigene Lieferstellen nah beieinander, kann eine Tour beide bedienen, und es lohnt sich, mehrere Standorte zu bündeln.

Was in ein vollständiges Angebot gehört

Ein belastbares Angebot nennt von sich aus die folgenden Angaben.

  • den Preis je Liter netto frei Tankstelle, mit Bezugstemperatur
  • Sorte und Norm, also EN 590, EN 15940 (HVO100) oder AdBlue nach ISO 22241
  • die Menge und die zulässige Abweichung nach oben und unten
  • den Liefertag oder das Lieferfenster
  • das Zahlungsziel
  • die Gültigkeitsdauer des Preises
  • bei HVO100 den Nachhaltigkeitsnachweis des Lieferanten

Fehlt eine davon, fragen Sie nach, denn der Unterschied zwischen zwei Angeboten steckt oft genau in der Zeile, die eines der beiden nicht nennt.

Dieselfloater und Einkaufspreis sind bei Frächtern zwei Größen

Wenn mit dem Verlader ein Dieselfloater vereinbart ist, richtet sich der Zuschlag nach einem Index oder einer vereinbarten Referenz. Ihr eigener Einkaufspreis hängt davon nicht ab, der wird verhandelt. Verdienen können Sie deshalb an der Spanne zwischen Floater und Einkaufspreis, und auf diese Spanne haben Sie nur über Ihren Einkauf Einfluss.

Winterware und Bestellrhythmus

Diesel wird in Sommer- und Winterqualität geliefert, und umgestellt wird beim Inverkehrbringer. Was noch in Ihrem Tank ist, bleibt Ware aus der vorigen Jahreszeit. Fragen Sie Ihren Händler deshalb im Herbst, ab wann er Winterware liefert, und überlegen Sie rechtzeitig, wie voll Ihr Tank zu diesem Zeitpunkt sein soll.

Wer im Oktober noch einmal randvoll auffüllt, fährt im Dezember und im Jänner unter Umständen noch Ware aus der milderen Jahreszeit. Für Höfe in höheren Lagen ist das wichtiger als im Flachland. Richten Sie die Mengen im Herbst am tatsächlichen Verbrauch aus und planen Sie die erste Winterlieferung fest ein.

Die Bestellmenge richtet sich außerdem nach dem Umschlag und nicht nach dem Tankvolumen. Ein 20.000-Liter-Tank, der in vier Monaten leergefahren wird, ist etwas anderes als derselbe Tank, der zwölf Monate reicht.

HVO100, AdBlue und die Nachweise

HVO100 ist paraffinischer Dieselkraftstoff aus hydrierten Ölen und Fetten. In reiner Form erfüllt er die EN 590 nicht, unter anderem wegen seiner geringeren Dichte, und deshalb gibt es für ihn eine eigene Norm, die EN 15940.

Für den Einkauf sind zwei Punkte wichtig. Ob ein Fahrzeug HVO100 tanken darf, hängt von der Freigabe des Fahrzeug- oder Motorherstellers ab und nicht von der Norm. Außerdem stellt der Lieferant den Nachhaltigkeitsnachweis aus, und ohne diesen Nachweis gilt die Lieferung auf dem Papier als fossil. Ob Sie den Nachweis für eigene Zwecke nutzen können, klären Sie am besten mit Ihrer Steuerberatung.

AdBlue kann mit derselben Tour kommen, wenn der Händler es führt. Fragen Sie es deshalb am besten gleich mit ab.

Kurz gefragt

Warum gilt ein Dieselangebot nur für einen Tag?

Der Produktpreis folgt einer täglich neuen Großhandelsnotierung in US-Dollar je Tonne. Zwischen Notierung und Literpreis stehen außerdem die Dichte des Produkts und der Euro-Dollar-Kurs. Der Händler kalkuliert deshalb einen Tagespreis, und vergleichen lassen sich nur Angebote vom selben Tag.

Wird Diesel nach 15 °C oder nach Naturliter abgerechnet?

Üblich ist im Mineralölhandel die Umrechnung auf 15 °C, ausdrücklich vereinbart ist sie aber erst, wenn sie in der Anfrage steht. Ein Satz wie „Abrechnung auf 15 °C“ genügt, und damit ist klar, welche Menge abgerechnet wird.

Kann man Angebote mit unterschiedlichem Zahlungsziel vergleichen?

Ja, wenn Sie das Zahlungsziel mitdenken. Ein Angebot mit 20 Tagen netto kann bei einem etwas höheren Literpreis unterm Strich günstiger sein als Vorkasse zum niedrigsten Preis. Wie viel Ihnen das Zahlungsziel wert ist, hängt von Ihrer Liquidität ab und lässt sich ausrechnen.

Der Weg über eine Ausschreibung

Am Telefon lässt sich das alles abarbeiten, indem Sie mehrere Händler anrufen, jedem dieselben Angaben durchgeben und abends die Zettel nebeneinanderlegen. Vergleichbar sind die Angebote dann aber selten, weil der eine mit 14 Tagen Zahlungsziel rechnet und der andere erst in der nächsten Woche liefern kann.

Bei einer Ausschreibung beziehen sich dagegen alle Angebote auf dieselben Angaben. Auf der Hoftankbörse legen Sie Sorte, Menge, Lieferort, Termin, Zahlungsziel und Frist einmal fest und dazu Ihre Preisgrenze, die kein Händler sieht, auch nicht nach Fristende. Die Händler aus Ihrer Region kalkulieren jeder für sich und geben verdeckt einen Preis ab. Das ist keine Auktion, denn keiner sieht die Preise der anderen, und jeder Händler hat immer nur ein gültiges Angebot, das er bis Fristende zurückziehen und durch ein neues ersetzen kann.

Solange die Frist läuft, sehen Sie noch keine Preise, sondern nur, wie viele Angebote eingegangen sind und wie viele davon auf oder unter Ihrer Grenze liegen. Liegt bei Fristende mindestens ein Angebot auf oder unter Ihrer Grenze, müssen Sie kaufen. Sie sehen dann diese Angebote mit Preis, Zahlungsziel und Liefertermin und haben 30 Minuten Zeit zu wählen, wer liefert. Wählen Sie nicht, bekommt das günstigste Angebot den Zuschlag. Liegt kein Angebot auf oder unter Ihrer Grenze, endet die Ausschreibung ohne Kauf, und Sie sehen keine Preise.

Für Betriebe ist die Hoftankbörse kostenlos. Vertrag, Lieferung und Rechnung laufen direkt zwischen Ihnen und dem Händler, und Sie zahlen genau den Preis, den er abgegeben hat. Wie der Ablauf im Einzelnen aussieht, steht in den häufigen Fragen.

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Wenn Sie nichts anhaken, gilt das übliche Diesel-Sortiment.
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